Freitag, 29. Juli 2011

"Wie hoch fliegt der denn?"

Wenn wir mit unserem Hobby Abwechslung von unserem Alltag suchen, so können wir uns in den Bastelraum setzen, neue Projekte auf den Weg bringen oder aus der Taufe heben, Verschlimmbesserungen an den bestehenden Modellen vornehmen oder diese mit Putz-, Flick oder Reparaturarbeiten weiterhin flugfähig halten. Meistens sind wir dabei so lange allein, bis unsere bessere Hälfte sich mit ihrem unwiderstehlichen Liebreiz bemerkbar macht und uns freundlich darauf hinweist, dass es neben unserem Hobby noch andere wichtige Verpflichtungen gibt, um die wir uns kümmern müssen.
Steht uns der Sinn nach mehr Gesellschaft, so bietet sich der Weg auf den Flugplatz an. Natürlich wollen wir fliegen, das allein macht aber noch keinen erfolg- und erlebnisreichen Flugtag aus, sondern Fachsimpeleien, der neueste Tratsch und Klatsch, der Erstflug eines Modells, die Unterstützung und guten Ratschläge durch die Fliegerkollegen.
Nein, ich meine jetzt nach einem Absturz nicht Ratschläge der Art: „Was, Du fliegst Tabafu? Hättest Du wie ich Lumptiplex geflogen, wäre das natürlich nicht passiert!“ Oder wenn beim Startvorgang der Treibling einfach keine Lust hat ,das Gas anzunehmen und stehenbleibt. In so einem Moment sorgt eine Bemerkung wie: „Brich den Startvorgang ab, dein Motor steht!“ zwar für allgemeine Belustigung, doch führt es bei dem Piloten zu weiterem ungesunden Bluthochdruck, weil er die Marotten seines Antriebes nun schon zum x-ten Mal miterlebt hat. 
Als beinahe bösartig hingegen ist lautes Rufen von „Ziehen!“ einzustufen, wenn man gerade mit Vollgas seinen Flieger im Rückenflug über den Platz donnert und dabei mit dem Seitenleitwerk den Weg in den Rasen fräst.
Es sind die Hilfestellungen, die nach eben genannten Motorproblemen durch Fliegerkollegen den Antrieb dann doch noch davon überzeugen, was seine wahre Bestimmung ist und zum Erfolg des Tages beitragen. Man ist eben nicht allein, das zeichnet ein lebendiges Vereinsleben aus.
Daneben gibt es noch Erfahrungen einer etwas anderen Art: Nicht nur bei offiziellen Anlässen wie Flugtagen finden sich Zaungäste ein, deren Radtour mehr oder weniger zufällig am Platz vorbeiführte. Hand aufs Herz: Fliegen wir in solchen Momenten nicht ein wenig auffälliger als sonst? Wollen wir den Gästen am Rand nicht zeigen, was für tolle Hechte wir sind? Tatsächlich werden solche Flüge gelegentlich auch mit Beifall vom Rande geehrt. Und manch einer der Zaungäste wagt es sogar, näher zu kommen, um sich die Technik unserer Flieger genauer zu betrachten. Gerne schrauben wir in solchen Momenten einen Flügel ab, um den Blick in die Inneren freizugeben, bewegen die Senderknüppel und erklären dabei die einzelnen Funktionen.
In solchen Momenten warte ich bereits darauf und bislang bin ich noch nie enttäuscht worden, denn dann ist es nur noch eine Frage der Zeit bis sie kommt, die Frage aller Fragen, die mit Sicherheit schon jedem Modellflieger gestellt wurde:
„Wie hoch fliegt der denn?“
Inzwischen habe ich mir sehr viele Gedanken über diese Frage gemacht: Wie antwortet ich richte darauf? Welcher Sinn mag wohl dahinter stecken?
Zunächst einmal stellte ich mir die Frage in einem anderen Zusammenhang. Ich komme auf den Flugplatz mit einem neuen Auto. Natürlich werde ich nach dem neuen Gefährt befragt, die Motorhaube und der Kofferraum werden geöffnet, um die Kollegen hineinschauen zu lassen. Wer käme in solch einem Moment auf die Idee zu fragen: „Wie weit fährt der denn?“
Das jedenfalls habe ich noch nie erlebt, weil niemand danach fragen würde, um sich nicht als völlig Unkundiger zu entlarven.
Oder gehen wir doch in einen dieser vielen Elektronikmärkte und lassen uns verschiedene Fernsehgeräte, Staubsauger oder Waschmaschinen präsentieren. Wie mag wohl der Verkäufer reagieren, wenn wir ihm anschließend die Frage stellen: „Wie lange läuft der denn?“
Ein Schuhverkäufer wäre bei dieser Frage sicherlich genauso irritiert.
Nicht viel anders sähe es wahrscheinlich aus, wenn wir uns bei einem Obsthändler mit frischen Äpfeln oder Orangen eindecken und vor dem Kauf wissen wollten: „Wie lange schmecken die denn?“
Die Liste ließe sich sicherlich noch beliebig erweitern, aber eines wäre klar: Wenn wir uns so durch das Leben fragten, wäre es gewiss nur noch eine Frage der Zeit, bis man unseren gesunden Geisteszustand anzweifeln würde und unvermeidlich die Frage zurück käme: „Wie dumm ist der denn?“ 
Kommen wir also zurück auf den Flugplatz. Sind die Frager folglich geistig etwas zurückgeblieben oder labil?
Darüber mag ich mir kein Urteil erlauben. Mit Antworten wie: „Im Moment ziemlich genau auf Bodenniveau!“ oder wie ein befreundeter Kollege einmal sagte: „So hoch, bis man ihn nicht mehr sieht!“, habe ich mich allerdings noch nie getraut, auch wenn ich mich inzwischen stark zurückhalten muss, um nicht in lautes Gelächter auszubrechen. Ich bleibe lieber auf der sicheren Seite und erkläre dem Frager etwas von Sichtweite und Reichweite der Fernsteuerung und freue mich am Ende des Flugtages, wieder auf erlebnisreiche Stunden zurückblicken zu können.

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