Freitag, 22. Juni 2012

Warum gibt es eigentlich FPV?

Karikatur von Klaus Heilmann
„Fliegen nach Pilotensicht“, abgekürzt „FNP“, so könnte man die letzte Entwicklung in unserem Hobby beschreiben. Da sich aber kein Mensch etwas darunter vorstellen kann, weicht man wie so oft ins Neuhochdeutsche aus und nennt das Ganze „FPV“ (Först Pörsen Wju). Auf diese Weise wird auch dem blutigsten Anfänger oder letzten Hinterwäldler klar, worum es geht.
Vielleicht setzt sich zunehmend die Einstellung durch, dass die deutsche Sprache für eine anspruchsvolle Unterhaltung völlig ungeeignet ist, weshalb die Auffüllung mit englischen Begriffen daher unvermeidlich erscheint. Deshalb bezeichnen sich die Anhänger dieses neuesten Trends in der Modellfliegerszene auch folgerichtig als „FPV-Community“.
Für diejenigen, die es genauer wissen wollen, eine kurze Erläuterung: Auf dem Flugmodell ist eine Kamera angebracht, die die Sicht eines Piloten während des Fluges aufzeichnet. Über Funk wird dieses Signal an einen Laptop auf dem Boden übertragen, der das wiederum in ein Bild umwandelt, das der Modellpilot in einer Spezialbrille sehen kann. Ein Helfer ist erforderlich, damit die Antenne zur Signalübertragung dem Flugzeug nachgeführt wird, sonst sieht der Pilot das Gelände nur bei völligem Schneetreiben selbst im Hochsommer.
Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, warum es diese Entwicklung eigentlich gibt? Immerhin ist damit ein recht hoher technischer wie finanzieller Aufwand verbunden, ausgefeilt ist sie noch genauso wenig, sodass gestalterische Fähigkeiten für die Umsetzung erforderlich sind. Das klingt zunächst nach einem vielfältigen Betätigungsfeld für echte Modellbauer.
Andererseits ist das Gelände rund um einen Flugplatz häufig von weiträumiger Leere gekennzeichnet, eine notwendige Voraussetzung, um unser Hobby überhaupt kollisionsfrei ausüben zu können. Spätestens nach dem dritten oder vierten Flug dürfte der Pilot also auch das Umfeld von oben in- und auswendig kennen. Was also mag der Grund für die wachsende Gemeinde dieser Flugmodellpiloten sein? Schauen wir doch einfach auf die Unterschiede zur „normalen“ Modellfliegerei, speziell die Anforderung an die Steuerung unserer Flugzeuge: Das erste, was ein Neuling erlernen muss, ist die Tatsache, dass er scheinbar seitenverkehrt zu steuern hat, wenn das Flugzeug auf ihn zufliegt. Ist er mit dieser Fertigkeit vertraut, hat er den entscheidenden Schritt zum Modellpiloten geschafft.
Das lässt nur einen logischen Schluss zu: FPV hilft den Piloten, die das mit dem Links und Rechts nicht so richtig verstehen können, Entschuldigung es muss selbstverständlich heißen „gehändelt kriegen“! Diese Erkenntnis ist natürlich völlig wertungsfrei, denn immerhin ermöglicht die neue Technik nun ebenfalls Personen den Zugang zu unserem Hobby, deren Interesse an der fehlenden Fertigkeit bislang scheiterte. Jemand, der ein Brille oder ein Hörgerät trägt, ist ja deshalb genauso wenig ein Mensch mit minderem Wert. 
Ein weiterer Vorteil von FPV liegt in dem hohen technischen Aufwand, geht etwas schief, liegt die Lösung natürlich zum Greifen nah: es lag an der Technik, nicht am Piloten!
Selten hat es eine Entwicklung gegeben, die den menschlichen Unzulänglichkeiten technisch derart entgegen gekommen ist.

Kommentare:

  1. Hallo Thomas, das Thema FPV scheint dich ja ziemlich gefangen zu haben, so oft wie Du darauf eingehst! Ich selbst würde es gerne mal probieren, genau so wie Hangfliegen - da hast Du auch erst die Nase gerümpft und warst später davon angetan...

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    1. Hallo Thorsten, schön mal wieder von Dir zu hören. Bestell´ mal bitte all Deinen Fliegerkollegen, die mich noch kennen, einen Gruss.
      In der Tat, das Thema "FPV" regte mich schon mehrfach an, einen Beitrag habe ich auch noch in petto. Selbst ausprobiert habe ich es noch nicht, aber vielleicht könntest Du ja darüber berichten, wenn es soweit ist?

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  2. Hallo Thomas, Grüße zurück von allen - besonders Uli, Martin und Co. Im Verein ist derzeit ein FPV-Flieger (Sven), der hat sogar eine Marktlücke entdeckt und macht mit seinem Octokopter jetzt gewerbsmäßig Luftbildaufnahmen (z. B. Fanmeile zur Euro2012 in Vechta und Lohne - war mehrfach in der Zeitung...) Ist schon interessant, man kann unseren Platz und das Umland von oben sehen. Der ist sogar mal bis zu den Windrädern geflogen, wenn Du noch weist wie weit das ist. Ich selbst bleibe erstmal beim DLG - mein neues Steckenpferd :-)

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  3. Hallo Thorsten,
    danke für die Grüsse. Vielleicht nimmt Sven mal mit mir Kontakt auf, sodass mein nächster Beitrag über FPV anders ausfällt?
    Aber um es noch einmal zu betonen: Ich habe natürlich nichts gegen diesen Trend in unserem Hobby.

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