Montag, 11. Juni 2012

Styroporschneiden, Teil III, Beplanken des Flügels

Beplankt man einen Styroporflügel mit Balsabrettchen, so reicht deren Format von 100*1000 mm in den seltensten Fällen aus, um damit eine Profilseite beplanken zu können. Im Prinzip gibt es drei Lösungsmöglichkeiten:

  • Man kauft Balsabretter in passender Überlänge und –breite. Diese Variante erspart viel Zeit, ist aber sehr teuer.
  • Man schäftet sich die Brettchen selbst auf das passende Maß. So kann man sehr viel Geld sparen, benötigt allerdings etwas mehr Zeit, bis die Klebungen durchgehärtet sind.
  • Alternativ ist die Verwendung von Furnierholz möglich, das bereits größer geschnitten ist. Neben einer höheren Stabilität bringt diese Variante aber auch mehr Masse zusammen.

Im Folgenden wird die zweite Variante näher erläutert. Das Vorgehen beim Aufbringen der Beplankung gilt dann entsprechend auch für die erste und dritte Variante.

Um die Beplankung in Spannweitenrichtung auf die richtige Länge bringen zu können, legt man zwei Balsabrettchen genau aufeinander und schneidet entlang eines Stahllineals eine schräge Kante, um die Klebefläche für die Hirnholzklebung zu vergrößern.

Zuschneiden der Beplankung
Anschließend werden die Brettchen gegeneinander gelegt, um die genaue Passung noch einmal zu kontrollieren, evtl. ist mit einem Schleifklotz vorsichtig nachzuarbeiten.

Nun klebt man über die Verbindungsstelle ein Klebeband (z. B. Tesa), dreht die Brettchen um, knickt die Verbindungsstelle auf und legt eine Raupe aus Kleber (UHU hart, Weißleim, o. ä.) hinein. Nun wieder Zuklappen und den überschüssigen Klebstoff mit einem Balsa- oder dünnen Sperrholzrest abziehen.


Öfnen der Klebestelle durch Anheben
Kleber herausdrücken lassen
Überschüssigen Klebstoff entfernen

Die Brettchen nun so ablegen, dass sie leicht gebogen liegen und Druck auf die Klebestelle kommt.


Beplankung leicht gebogen zum Trocknen ablegen

Wenn es möglich ist, sollte der Flügel in Spannweitenrichtung durchgehend beplankt werden. Das erhöht die Stabilität und erspart bei kleinern Modellen bis ca. 1,40 m Spannweite ohne besondere Anforderungen im Flugbetrieb (z. B. Speedmodelle) das zusätzliche Verstärken im Mittelteil durch Glasfaser- oder Kevlarmatten.

Sind die Brettchen nun auf die gewünschte Länge abgeschnitten, kann man mit der Schäftung in Richtung der Profiltiefe weiter machen. Das Verfahren verläuft prinzipiell genauso, wie bei der Längenschäftung. Dazu legt man die Brettchen nebeneinander (darauf achten, dass die schrägen Klebenähte in Spannweitenrichtung abwechselnd innen und außen und von der Ausrichtung her gegeneinander liegen) und klebt wieder ein Klebeband über die zu verklebende Länge. Die Brettchen werden nun umgedreht und an der Klebestelle aufgeklappt. Dazu ist es sinnvoll, die Brettchen zu fixieren, um das Einbringen des Klebers in die Naht zu erleichtern. Anschließend zuklappen, den überschüssigen Klebstoff abziehen und das Ganze zum Aushärten weglegen.


Beplankung in Richtung der Profiltiefe verkleben

So nach und nach die Beplankung mit etwas Überstand in der Form (durch die Profilwölbung muss die Beplankungstiefe größer als die Profiltiefe sein!) anfertigen.
Während die Klebestellen trocknen, können die Styroporflügel bereits weiter vorbereitet werden.

Zunächst sind alle Aussparungen für Servos, Einziehfahrwerke, etc. bereits auszuschneiden und alle benötigten Kabel zu verlegen. Es ist sinnvoll, dazu einen Staubsauger griffbereit zu halten und in regelmässigen Abständen die ausgeschnittenen Styroporreste abzusaugen. Um die Aussparungen nach dem Beplanken wieder zu finden, ist es ratsam, eine Skizze hiervon anzufertigen.


Lage der Servos auf dem Flächenkernen anzeichnen und Plan darüber erstellen


Vor dem Verkleben der Beplankung alle Kabel verlegen

Für die Verklebung der Beplankung mit dem Flügel bieten sich mehrere Möglichkeiten an:

  • Epoxyd-Harz. Dieser Klebstoff härtet ohne Masseverlust aus. Kann der Flügel in einem Teil beplankt werden und sind weitere Verstärkungen z. B. durch Glasfasermatten erforderlich, so können diese bereits direkt auf die Innenseite der Beplankung aufgebracht und gemeinsam auf dem Kern verpresst werden. Man erspart sich so ein späteres Nachspachteln, wenn die Verstärkung nachträglich von außen auf die Beplankung geklebt wird.
    Dieses Verfahren erzeugt sehr stabile aber auch schwere Flügel und ist nicht besonders billig.
  • Weißleim (z. B. Ponal). Mit Holzleim kann keine Verstärkung unterhalb der Beplankung,  wie zuvor beschrieben,  aufgebracht werden. Verstärkungsmatten müssen nachträglich mit Epoxyd-Harz auf die Beplankung geklebt und verspachtelt werden. Flügel mit Weißleimklebung werden nach Verdunstung des im Leim befindlichen Wasser leichter. Nach dem Entformen lasse ich den Flügel deshalb noch einen weiteren Tag zur Trocknung stehen bis sich die Beplankung wieder trocken anfühlt. Dabei verliert der Flügel knapp 10% an Masse durch die Verdunstung des Wassers, das sich noch in der Beplankung befindet. Eventuelle Blasen, die sich durch das feuchte Holz gebildet haben, verschwinden ebenfalls wieder.
  • Estrich-Kleber auf PU-Basis (z. B. von Fermacell). Hierzu liegen mir noch keine Erfahrungen vor. Nach Aussagen von Fliegerkollegen soll diese Verklebung von der Masse her noch leichter als mit der Verarbeitung von Holzleim sein. Außerdem schäumt er mit ungefähr 5% Volumenzunahme bei der Aushärtung auf und sorgt so für eine besonders innige Verklebung der Beplankung mit dem Kern, da der Schaum in die Hohlräume des Styropors eindringt. Die Kosten sollen sich im gleichen Rahmen wie bei Holzleim bewegen.

Hat man sich für eine Variante entschieden, wird der Klebstoff auf die Beplankung mit einem Spachtel gleichmäßig aufgetragen. Dabei ist bei geteilten Flügeln auf die richtige Klebeseite zu achten!
Die Beplankung nun in die Negativschale und den Kern darauf legen. Nun die zweite Beplankungsseite auflegen und die zweite Halbschale darüber legen. Auf die genaue Lage des Kerns in den Schalen achten, um keine Verzüge einzubauen, diese lassen sich nachträglich nicht mehr korrigieren! Auch muss der Untergrund, auf dem die Verpressung erfolgt, ebenfalls absolut gerade sein.
Liegt alles richtig, ein genügend großes Brett auf den Flügel legen und mit Gewichten beschweren (z. B. alte Autobatterien).


Pressen der Beplankung bis zur Aushärtung des Klebers

Estrich-Kleber härtet innerhalb von drei bis vier Stunden aus, Holzleim lasse ich mindestens 18 Stunden in der Form aushärten, bei Epoxyd-Harz kommt es auf die Angaben zur Verarbeitung an.

Im vierten Teil geht es um die weiteren Verarbeitungsschritte bis zur Fertigstellung des Flügels.

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