Mittwoch, 1. Oktober 2014

Sex sells




Karikatur von Klaus Heilmann, www.kunstmalstudio.de
Für uns alten Säcke: Sex verkauft! Klingt natürlich auch bescheiden und führt uns wieder einmal schmerzhaft vor Augen, wie hinterwäldlerisch wir Anhänger der deutschen Sprache letztlich sind. Doch das soll nicht das heutige Thema sein.
Dieser Grundsatz der Werbung ist seit langer Zeit bekannt. Man braucht keine große Aufmerksamkeit aufzubringen, um allerorts darauf gestoßen zu werden. Je nach Zielgruppe werden wohlgeformte junge Damen, gelegentlich auch Herren, die leider sehr arm sein müssen, weil ihnen offensichtlich nur wenig Geld für Kleidung zur Verfügung steht, repräsentativ von der Werbebranche eingesetzt.
Umso mehr wundert es mich seit vielen Jahren, warum sich noch Niemand bei uns Flugmodellbauern dieses Prinzips angenommen hat. Unserem Hobby lastet ja nun leider an, eine fast rein männliche Ausrichtung zu haben. Das müsste doch das reinste Eldorado für jeden Werbestrategen sein. Ok, gelegentlich lächelt uns eine freundliche junge Dame entgegen, hübscht so ein für uns interessantes Produkt ein wenig auf. Gemessen an den sonstigen Standards bewegt sich solche Werbung für uns seit Jahrzenten nicht in einmal in den Kinderschuhen und wirkt völlig unbeholfen. Fehlt es den Werbestrategen an dem nötigen Mut? Werden wir vielleicht als rein rational handelnde Personen wahrgenommen? Sind wir als Zielgruppe zu klein und uninteressant? Oder werden wir gar als völlig geschlechtslos angesehen? Fragen über Fragen, die bislang völlig unbeantwortet blieben, ein wahrhaft unbefriedigender Zustand.
Aber nein, es scheint sich etwas zu verändern! Letztens blätterte ich wieder einmal harmlos und nichts Böses ahnend in einer Fachzeitschrift, registrierte wie gewohnt beiläufig die Werbung, als mir plötzlich der Atem stockte, mein Puls in die Höhe schlug. Völlig unvorbereitet musste ich auf fünf langhaarige Damen schauen, leider auch wieder sehr arm, die mir den Rücken zudrehten. Wow!!! Während mich noch die Frage beschäftigte, warum es so viele gut aussehende bedürftige Damen gibt, überlegte ich bereits, meinem bisherigen Lieferanten für Fahrwerke den Laufpass zu geben. Der hatte doch gar keine Ahnung mehr, wovon er sprach; technische Zeichnungen mit beispielhaften Bemaßungen? Pahh! Wer will so etwas schon sehen? Das war nun ein Beispiel, wie man schöner kaum gerade für Fahrwerke werben konnte. Mit zitternden Händen gab ich erwartungsfroh die Internetadresse ein und… wurde bitter enttäuscht! Statt sexy Fahrwerken ging es um Empfängerstromversorgungen, deren spezielle Eigenschaften nochmals unter dem bekannten Bild aufgelistet wurden. Um die jugendlichen Leser nicht zu gefährden, bringe ich jetzt nicht einzelne Punkte in Verbindung mit den jungen Damen, das fiele eindeutig unter den Jugendschutz.
Aber in meinem Kopf arbeitete es weiter. Hat mir mein Alter bereits den Blick für das Wesentliche getrübt, dass ich den Sinn der Werbung nicht verstanden habe? Nein, das kann nicht sein, ich bin noch nicht von den Socken an aufwärts tot. Es kann sich also nur um einen ersten netten, wenn auch etwas unbeholfenen Versuch handeln, etwas mehr Pep in die Werbung für unser Hobby zu bringen. Hier besteht folglich noch ein riesiger Bedarf an  Beratungsarbeit, Pioniergeist ist gefragt.
Und auf wen könnte das passender zutreffen als auf einen echten Flugmodellbauer, in aller Bescheidenheit, mich zum Beispiel. Ich habe deshalb beschlossen, von nun an beratend tätig zu werden. Meine Erfahrung kann der Branche nur hilfreich sein, um solche Patzer zukünftig zu vermeiden. Entsprechende Stellenangebote können direkt an mich oder über die Redaktion eingereicht werden. Die schnellsten und besten Angebote haben natürlich Vorrang, eine rasche Entscheidung ist also wichtig für Diejenigen, die zukünftig ganz vorn dabei sein wollen!

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