Donnerstag, 1. November 2012

Wer fliegt denn da? Heute: „Der Kampfgeier“

Karikatur von Klaus Heilmann, www.kunstmalstudio.de
Während der Flugsaison kann man auf den Flugplätzen nicht nur Flugmodelle jeglicher Art und Größe bewundern, sondern auch deren Piloten, hier wird dem aufmerksamen Betrachter vom Paradies- bis hin zum schrägen Vogel ein reichhaltiges Repertoire geboten. Grund genug, sich dieser Exoten einmal näher anzunehmen. Heute beschäftigen wir uns mit dem „Kampfgeier“.
Wie aus dem Nichts steht er plötzlich auf dem Flugplatz. Der militärische Geländewagen in Tarnfarben sowie sein Kampfanzug in ebensolcher Gestaltung tragen dazu bei, dass er sich nur schwer von dem Hintergrund abhebt. Die Hose streng gebügelt und zur Sicherheit zusätzlich den Kniff mit einer Naht verstärkt, den gestählten Oberleib in ein Muskel-T-Shirt eingehüllt, kurz geschorene Haare und jedes freie Fleckchen Haut mit Tarnfarbe bedeckt, steht er unerwartet mitten im Geschehen. Er bewegt sich nur im Stech- oder Laufschritt, seine Sprache wirkt knapp und abgehackt.
Die erste Handlung, die er auf dem Platz vornimmt, ist der Aufbau eines Fahnenmastes, an dem mit allen militärischen Ehren die Deutschlandfahne gehisst wird. Ein kleiner angeschlossener Kompressor sorgt dafür, dass die Flagge immer im Wind komplett flatternd zu sehen ist. Erst danach packt er seine Flugmodelle aus, die wie in einer militärischen Formation aufgestellt werden, selbstredend handelt es sich dabei natürlich nur um deutsche Kampfflugzeuge aus dem zweiten Weltkrieg wie Me 109 oder FW 190. Da er ständig davon überzeugt ist, dass ein Feind naht, baut er gleich um seine Flugzeuge ein militärisches Sperrgebiet mit Kasernenanlagen, Wartungs-, Reparaturbereich und Sicherungsstaffeln auf.  Um ebenfalls aus der Luft gesichert zu sein, reicht es ihm nicht, die gesamte Anlage mit Tarnnetzen zu überdecken, nein, ein in Alarmbereitschaft versetztes Flugabwehrregiment trägt zur zusätzlichen Sicherheit bei.
So vorbereitet, holt er schließlich seinen aufklappbaren Feldherrnhügel aus dem Wagen und baut ihn für alle gut sichtbar auf dem Flugplatz auf. Untermalt von militärischer Musik sucht er nun lauthals Gleichgesinnte:
„Männer, der Feind naht!  Müssen immer auf einen Angriff vorbereitet sein! Appelliere an Euren Patriotismus. Wer trainiert mit mir?“
Spätestens jetzt beginnt sich der Flugplatz zu leeren, die Ersten machen sich sicherheitshalber auf den Heimweg. Doch unser Kampfgeier lässt sich dadurch nicht entmutigen, nun spricht er die übrig Gebliebenen persönlich an.
„Kamerad, kleines Luftgefecht gefällig? Training ist wichtig!“
Mit Ausreden wie „Mein Höhenruderservo ist gerade ausgefallen.“, „Kein Sprit mehr.“ „Das Einziehfahrwerk klemmt.“, versuchen sie sich aus der Affäre zu ziehen.
Findet er dann doch noch einen Wagemutigen, bedeutet das fast immer das schnelle Ende seines Fliegers. Unter dem lauten Klang von Siegesmärschen malt unser Kampfgeier dann ein weiteres Kreuz auf den Rumpf seiner Kampfmaschine.
Anfänger verwechseln den Kampfgeier leicht mit dem „Warbird“. Mit diesem putzigen Zeitgenossen werden wir uns allerdings noch gesondert beschäftigen.

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