Mittwoch, 7. November 2012

Christian Petasch: Von GPS und Maisfeldern

Murphys Gesetz besagt bekanntlich: Alles was schief gehen kann, geht schief. Das fängt morgens beim Aufstehen an und geht den ganzen Tag so weiter. An solchen Tagen sollte man also tunlichst die Finger von der Fernsteuerung lassen und zu Hause bleiben. Ansonsten kann man schon fast eine Garantie darauf geben, dass irgendetwas passiert. Doch dank modernster Technik gibt es ja inzwischen für nahezu jedes Ereignis eine geeignete Hilfe.
Und deshalb nutze ich diesen einzigen windstillen Tag der letzten und nächsten Wochen, die Akkus der Multiplex Pico Cub sind aufgeladen, also ab zum Platz. Angekommen wird hurtig aufgerüstet, noch ein letzter Rundblick – die Sonne steht schon recht tief, in einer dreiviertel Stunde wird’s dunkel – kurzer Rudercheck und ab in die Luft. Fliegt ja ganz ordentlich heute Abend, also Knüppel nach vorne und im Tiefflug übern Platz. OK, nicht ganz Piper like, aber Spaß macht es trotzdem. Aufschwung, Linkskurve und…. Irgendwie will sie nicht wieder in Neutrallage. Doch, jetzt kommt sie. Aber doch nicht so weit! Eine elegante Rechtskurve später und die Pico Cub ist im Mais verschwunden. Gut, dass sie langsam war, es besteht also Hoffnung, dass sie noch ganz ist. Also los und fix suchen, bevor es dunkel ist.
Nun gibt es zwei Suchvarianten: Die klassische mit Peilung der Richtung und Reihe für Reihe absuchen, und die moderne. Bei der modernen Variante nutzt der Modellpilot Telemetrie, insbesondere die Möglichkeit des Global Positioning Systems- GPS. Dieser Telemetrie-Sensor ist speziell umgebaut auf einen GPS-Empfänger aus dem Militärbereich, da herkömmliche Module natürlich zu ungenau sind. Die Investitionskosten belaufen sich hierbei um etwa 500€. Die Koordinaten der Absturzstelle werden nun drahtlos auf einen Tablet-PC mit einer selbstentwickelten Spezialsoftware übertragen und per Bildschirmberührung in die „Automatische Modell-Suchroutine“ eingegeben. Daraufhin wird durch die Software als erstes eine Kameradrohne gestartet. Als optimal hat sich hierbei ein Oktokopter mit Carbonchassis, einer speziellen Kamerahalterung und natürlich dem GPS aus dem Militärbereich herausgestellt. Befeuert wird das ganze durch zwei 4s/5000mAh LiPo Akkus. Der Preis der Komponenten inkl. des Spezialumbaus liegt bei schlappen 8.500€-9.000€. Als Kamera wird ein Gerät mit FullHD Auflösung verwendet (ab 750€), dessen Bilder ebenfalls drahtlos zum Tablet-PC übertragen werden. Nach der exakten Positionierung über den angegebenen Koordinaten wird nun die Absturzstelle mithilfe eines in der Software integrierten Bildanalysetools verifiziert. Bei einem Erfolg wird nun der optimale Weg vom Piloten durch das Maisfeld zum Modell und wieder zurück berechnet. Diese Daten werden dann auf das Smartphone der Piloten übertragen und das Modell kann geborgen werden. Dank dieser modernen Technik und der Investition von gerade einmal 10.000€-11.000€, die bekanntermaßen ja selbst in der kleinsten Portokasse vorhanden sind,  ist es möglich, ohne langes Suchen ein Flugmodell innerhalb kürzester Zeit zu finden und aus den Klauen von Mais- und sonstigen Feldern zu befreien.
Die Pico Cub hatte diesen Absturz übrigens mit einer verbogenen Fahrwerksstrebe und etwas Schmutz an den Tragflächen überstanden, schuld am Absturz waren Empfangsstörungen durch unsaubere BEC-Spannung vom Regler. Und mal ganz ehrlich, ist es da nicht sinnvoller für 45€ auf Brushless umzurüsten und sich dadurch den ganzen technischen Aufwand zu sparen?
Vielleicht ist das ja der Grund dafür, warum die moderne Suchmethode so selten zum Einsatz kommt. Offensichtlich gibt es noch vernunftbegabte Modellflieger, die nicht jedem technischen Trend hinterherlaufen, koste es, was es wolle.

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