Samstag, 1. September 2012

Albert Schnitzler: Dieselmotore


Dieselsprit von Graupner
Zu Beginn unserer Kraftflüge (fast nur Freiflugmodelle) kauften wir für die weit verbreiteten Dieselmotore noch den teureren Graupner Titan D, den 500 ml Kanister mit Patent Kunststoffverschluss, einer verschließbaren Spritztülle, Bestellnr.: 157 
Zitat aus dem Graupner-Katalog 1956: Normalgemisch, rot, Kanister 350 g Inhalt ½ Liter. Gewährleistet sicheres Anspringen, auch zum Einlaufen geeignet.
Preis 2,50 DM (€ 1,28) und für größere Dieselmotore ab 1,5 ccm „D plus“. 3,30 DM (€ 1,68).
Das war uns dann auf Dauer zu teuer!

Das Mischrezept:
33 1/3 %        Äthyläther
33 1/3 %        Petroleum
33 1/3 %        Rizinusöl
war ja bekannt.
Das Ganze also eine ziemlich schmierige Sache.
All diese Chemikalien konnte man seinerzeit in jeder Drogerie „lose“ kaufen. Brachte man Arzneiflaschen o. ä. Behältnisse mit, dann bekam man gegen Bezahlung die Füllung.
Die Selbstmischung kam dann auf höchstens ein Drittel der Graupner-Kosten und es machte Spaß! Zum leichteren Anspringen des Diesels setzten wir noch wenige Kubikzentimeter des ziemlich teuren Amylacetats hinzu. Dadurch verringerte sich auch das Klopfen des Motors.
Dann fiel mir ein, dass diese mineralölhaltigen Treib- und Schmierstoffe sich auch mit
Dieselöl oder Heizöl (war damals das gleiche) und mit 90er Getriebeöl – Äther musste sein - ein noch billigeres und eben so gutes Gemisch herstellen ließ!

Dieselmotor Taifun-Hurrikan von Graupner
Unsere/meine Dieselmotore machten sehr selten Schwierigkeiten wenn man sich genau an die Empfehlungen der Betriebsanleitung hielt! Einmal gestartete und gut eingestellte Diesel liefen zuverlässig und saugten den Sprit bis zum letzten Tropfen aus dem Tank! Ich kann mich nicht an schlechte oder unbrauchbare Motore erinnern. Bei Glow-Motoren schon. Die waren viel kritischer, wollten nicht überfettet laufen und starben bei zu großer Abmagerung in der Luft ab, sodass man dann schnell und zwangsweise landen musste.
Dieselmotor Taifun-Hobby RS von Graupner
Meinen ersten Diesel (Taifun Hobby-RS) neu, ließ ich im Wohnzimmer erstmals starten. Er sprang gut an (laut Start-ABC) und machte dann stinkige Abgase, dass ich ihn bald stoppte und alle Fenster öffnete.
Das Novum bei dem Hobby-RS und dem Hurrikan waren die "rückwärtigen" Flatterventile. Das bedeutete gleichzeitig einen Vor- und aber auch einen Nachteil. Einerseits konnte man leichter an den Motor zum Ansaugen heran, man deckte den Lufteinlass mit der Zeigefingerspitze ab und drehte am Propeller, im Plastikschlauch konnte man den Sprit ankommen sehen.
Der Nachteil andererseits: Lief der überfettete D-Motor an, konnte es sein, dass er rückwärts lief!
Das konnte man nur dadurch feststellen, dass der Propeller den Luftstrom nach vorne blies. Dann musste man ihn Stoppen und nochmals anwerfen, wobei er fast immer richtig lief. Das Abstoppen erfolgte durch Bremsen mit einem Lappen am Spinner oder brutaler: man konnte auch einen Lumpen in den LS-Kreis werfen.
Da ja damals kein Schalldämpfer o. Ä. an den Dieseln dran war, war es des Öfteren der Fall, dass bei der Landung in den Feldern oder Äckern Erde, Sand, Dreck, etc in die Auspuffschlitze eindrang. Dann durfte man keinesfalls einfach nur durchpusten und weiter ging es!
Zunächst musste mit der Tankflache (anderes hatten wir nicht dabei) durchgespült werden und anschließend langsam am Propeller drehen und hören, ob es eventuell noch knirscht! War das nicht der Fall, konnte weiter geflogen werden.
Die Größenwahl der Luftschraube war für die Zug- und Steigleistung des Motors/Modells entscheidend. Durchmesser und Steigung der Luftschraube waren um einiges größer als bei hubraumgleichen Glühzündern. Bei Glow Motoren kam man auf eine höhere Drehzahl, wenn die Steigung geringer war:
Z.B. für 1,5 ccm Diesel 20x15er Latte (Länge mal Steigung in cm, das gilt auch für die weiteren Angaben), bei Glow 1,6 ccm 18x10 höchstens 20x10. Bei 1 ccm Diesel eine 20x10er Latte. Auch gebrauchte Diesel, die wir untereinander verschacherten, waren durchaus startfreudig.
Die Zeit, in der wir Modelldiesel einsetzten, ging fast nahtlos in die Glühzünderzeit über. Die schmierigen Abgase waren um 75% geringer, da im G-Treibstoff ca. 75% Methanol und nur ca. 25 % enthalten Rizinusöl ist. Mit Methanol mischen sich keine Mineral-Öle.

Start-ABC für Dieselmotore Titelbid


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