Dienstag, 2. April 2013

Wer fliegt denn da? Heute die Aasgeier!

Karikatur von Klaus Heilmann, www.kunstmalstudio.de
Der Start der Flugsaison rückt immer näher. Grund genug, sich auch in diesem Jahr einige schräge Vögel wieder etwas genauer anzuschauen:
Gäbe es eine überdimensionale Fliegenklatsche, wäre sie gewiss bei diesen Modellfliegerkollegen angebracht. Wie bei ihren gefiederten Originalen treten sie nie allein auf, es sind mindestens immer zwei Exemplare, meist in der unauffälligen Vater-Sohn-Kombination, die sich unter die Piloten mischen. Selbst im alltäglichen Flugbetrieb fallen sie auf den ersten Blick nicht auf, sie fliegen Modelle, die dem üblichen Standard entsprechen. Schaut man allerdings genauer hin, verbringen sie jedoch die meiste Zeit auf dem Flugfeld weniger damit, selbst zu fliegen, sondern schenken ihre Aufmerksamkeit vielmehr der peinlich genauen Überwachung des Luftraumes. Nervöse Zuckungen huschen bereits dann über ihre Gesichter, wenn ein Modell undefinierbare Flugzustände einnimmt. Doch richtig hektisch aktiv werden sie, wenn diesem Flugverhalten ein Absturz folgt. Als erste bieten sie sich an, die Reste zu bergen, eilen geschwind zur Absturzstelle, noch bevor der Pechvogel sie erreicht hat. Schon auf dem Rückweg zum Startplatz entbrennen zwischen ihnen heftige Diskussionen über die Verwertbarkeit der Reste. Alles wird besonders sorgfältig begutachtet.
Während mitfühlende Fliegerkollegen den Pechvogel mit Bemerkungen wie „Nimm´s nicht so schwer, das hätte mir auch passieren können“ oder „wenn du beim Bau Hilfe brauchst, ich bin dabei“ wieder aufzurichten versuchen, hören sich die Bemerkungen der Aasgeier ganz anders an: „Das Leitwerk sieht aber gar nicht gut aus, das könnten wir prima gebrauchen und der Rumpf mit den Servos hilft Dir gewiss auch nicht mehr weiter.“ Dabei wirken ihre ohnehin langen Mienen immer mehr ihren Originalen, die Augen stechend und die Nasen ragen weit aus den Gesichtern heraus. Es fällt ihnen sichtlich schwer, einmal in die Hand genommene Reste wieder aus der Hand zu geben, dabei umkreisen sie die Überreste und lassen kein Teil aus den Augen. Jeder Handgriff eines Fliegerkollegen wird argwöhnisch beäugt.
In solchen Momenten wünschte sich der Pechvogel die erstgenannte überdimensionale Fliegenklatsche, um sich die Aasgeier auf Distanz zu halten. Um letztlich Ruhe zu bekommen, gibt er dem Drängen meist nach.
Was dem einen die Eule, ist dem anderen die Nachtigall. Während der Pechvogel weiterhin unter dem gutgemeinten Zureden der Fliegerkollegen versucht, seine angeschlagenen Nerven zu beruhigen, ziehen die Aasgeier voller Stolz und hoch erhobenen Hauptes mit ihren Errungenschaften von dannen.
Anfänger verwechseln den Aasgeier leicht mit der Räuberkrähe. Mit diesem putzigen Zeitgenossen werden wir uns allerdings noch gesondert beschäftigen.

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