Dienstag, 9. Oktober 2012

Not macht erfinderisch


Karikatur von Klaus Heilmann, www.kunstmalstudio.de

Sicherlich hat jeder schon  einmal diese Erfahrung gemacht: Bei größeren finanziellen Vorhaben wie z. B. einer Baufinanzierung ist das Ende des Geldes schneller erreicht, bevor alles rund um das Haus so fertig gestellt ist, wie man sich das wünscht. Bei uns war es schließlich die zunächst provisorische Anlage des Gartens, die noch auf ihre Vervollkommnung warten musste.
In unserem Hobby gibt es das auch, nur häufig sieht man es nicht gleich auf den ersten Blick: Da werden Nachbauten von Originalen mit aufwändiger Lackierung und oftmals doppeltem Antrieb in die Luft gebracht; schnell bewegen sich so Werte in der Größenordnung eines Kleinwagens am Himmel: Ich spreche von den Jetfliegern. Dieser Zweig des Flugmodellbaus ist in jeder Hinsicht etwas Besonderes: Die Optik am Boden und in der Luft sticht positiv aus dem Allerlei hervor, die Antriebsgeräusche runden auch akustisch passend den Originalnachbau ab. Sehr häufig bewegen sich diese Flugzeuge ebenfalls dem Original entsprechend mit einer höllisch hohen Geschwindigkeit durch die Luft, sicherlich nicht umsonst wird die Jetfliegerei deshalb als Königsdisziplin unseres Hobbies angesehen.
Doch all das hat einen Preis, einen sehr hohen sogar. Wenn ich mir anschaue, was man so für eine Turbine hinblättern muss, kann das in etwa dem Jahresbudget eines durchschnittlichen Modellfliegers entsprechen, wenn überhaupt. Wie gesagt, bleibt es häufig nicht bei einem Antrieb, auch ein Einziehfahrwerk ist allein schon aus optischen Gründen Pflicht. Kein Wunder also, wenn auch hier den Betreibern gelegentlich die finanziellen Mittel knapp werden, um ihr Jetmodell in die Luft zu bringen. Dann wird an Ecken gespart, die sich sehr gut verbergen lassen, und das wird erst dann dem interessierten Zuschauer oder Fliegerkollegen aus einer anderen Sparte offenbar, wenn die Modelle auf- oder abgerüstet werden: Der Tank zeichnet sich durch eine merkwürdige Form aus, die so ganz und gar nicht dem entsprechen möchte, was man so gemeinhin als Tank in zylindrischer oder Quaderform verwendet. Vielmehr handelt es sich um die Plastikflasche eines weltbekannten Getränkeherstellers mit der charakteristischen Form, die ursprünglich an ein Frauenkleid erinnern sollte.
Böse Zungen behaupten, dass nächtliche Plünderungen des zur Abholung herausgestellten Plastikmülls durch vermummte Gestalten seit Beginn des Jetmodellbaus zugenommen haben sollen. Den Zusammenhang sah man dadurch bestätigt, dass die Kennzeichen der Fahrzeuge, in denen die Plünderer bei Entdeckung schnell flüchten, erstaunlicherweise auf den Modellflugplätzen wieder zu entdecken sind und –wen wundert´s?- Piloten von Jetmodellen gehörten!
Vielleicht könnte man diesem verwerflichen Treiben durch die Bildung eines „Fonds für notleidende Jetpiloten“ entgegen wirken, schließlich ist diese auch für die Betreiber erniedrigende Plündrerei menschlich kaum zu ertragen, bewegen sie sich dadurch doch mit ihrem Verhalten am Grenzbereich der Obdachlosigkeit.

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