Sonntag, 18. Mai 2014

Wer einmal eine Reise tut, …




Karikatur von Klaus Heilmann, www.kunstmalstudio.de
…der kann was erleben! Genauso erging es uns, als wir erstmals der Einladung meines österreichischen Fliegerkollegen folgten, der meine Frau, meine Tochter und mich für eine Woche zu sich nach Hause eingeladen hatte. Wir wollten Erholung finden zudem auch unserem gemeinsamen Hobby frönen.
Nach einer fast dreizehnstündigen Fahrt, die von einer Zwischenübernachtung unterbrochen war, trafen wir in dem abgelegenen malerischen Ort in einem idyllischen Tal ein und wurden freudig begrüßt. Das lauteste Geräusch, das wir im Laufe der kommenden Woche wahrnehmen sollten, war das gelegentliche entfernte Brüllen vereinzelter Rinder auf ihren Weiden.
Die Zimmer waren liebevoll hergerichtet, verwundert war ich nur über das, was ich neben der Toilette fand, dort stand nämlich ein einsatzbereiter Feuerlöscher. Auf meine Frage, ob die österreichischen Toiletten einem anderen Standard gehorchten als die deutschen, erhielt ich nur ein süffisantes Lächeln zur Antwort.
Gleich am nächsten Nachmittag nutzten wir die Gunst des Wetters für die ersten gemeinsamen Flüge. Da mein Kollege der Schaumfliegerei verfallen ist und mir konsequenterweise ein solches Exemplar reserviert hatte, konterte ich selbstverständlich mit zwei standesgemäßen Fliegern.
Beim ersten Sondieren des Fluggeländes direkt neben dem Haus drängte sich mir die Wahl zwischen Pest oder Cholera auf: Die leicht abschüssige Wiese senkte sich beiderseits talwärts. Hinter mir grenzte ein Wäldchen an, vor mir in ca. 200 Metern Entfernung mehrere Bäume oder wahlweise eine Hochspannungsleitung. Na prima, das würde für reichlich Spannung bei der Landung sorgen! Doch zunächst einmal stellte ich fest, dass in einer Ausgangshöhe von 500 Metern die Luft beginnt, dünner zu werden als bei mir zu Hause als Flachlandtiroler auf Meereshöhe. So folgten denn die Modelle aus meinem Handstart der Richtung der Schwerkraft statt durch Motorkraft eine entgegengesetzte Bahn einzunehmen. Erst als ich diese verantwortungsvolle Aufgabe meinem erfahrenen Kollegen übertrug, gelangen die Sprünge gen Himmel und gemeinsam drehten wir unsere Kreise. Doch irgendwann zwingt selbst der bestgeladenste Akku zur Landung. Mit zunehmender Nervosität versuchte ich einen Anflug nach dem anderen, doch das Gleitverhalten meines Seglers zeigte sich davon unbeeindruckt. Gerade als ich glaubte, nun endlich die richtige Ausgangshöhe zum Einlanden erreicht zu haben, sprang böswillig ein hoher Baum dazwischen. Wieder begleitet von einem süffisanten Lächeln  –offensichtlich kannte er das Springverhalten der heimischen Bäume aus eigener Erfahrung- holte mein Fliegerkollege die Leiter. Unsere Rettungsaktion aus einer Höhe von ca. 3 Metern wurde dabei von der benachbarten Bäuerin samt deren Kindern interessiert beobachtet. Kaum dass wir den Segler wohlbehalten geborgen hatten, kam sie uns gleich mit einer einheimischen Köstlichkeit entgegen: Selbstgebranntem Zwetschgenschnaps. Aus einem Gläschen wurden zwei, der Herr des Hauses gesellte sich ebenfalls noch hinzu, die Flasche leerte sich zusehends, die Stimmung stieg. Da soll noch mal einer behaupten, unser Hobby wäre kommunikationsfeindlich! Zur Sicherheit stellten wir schließlich das Fliegen für den Rest des Tages ein.
Gemeinsam mit der Familie erkundeten wir natürlich auch die Gegenden, sodass die Tage nur so dahinflogen. Auch dank bester Bewirtung durch die Frau des Hauses traten wir schließlich hervorragend erholt aber mit Wehmut die Heimreise an, nicht ohne jedoch bereits den Gegenbesuch vereinbart zu haben!

P. S.: Der Feuerlöscher stand bis zu unserer Abfahrt weiter unbehelligt neben der Toilette. Offensichtlich handelte es sich dabei nur um eine böswillige Provokation.

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