Freitag, 2. August 2013

Alles rührt sich um das Holzstäbchen


Karikatur von Klaus Heilmann, www.kunstmalstudio.de


Ich bin immer wieder fasziniert, was so an Neuigkeiten auf den Markt kommt. Da las ich doch gerade von einem Großhändler, dass er Holzstäbchen neu ins Angebot aufgenommen hat, um das Anrühren von Klebern zu erleichtern! Unwillkürlich muss ich an den cholerischen Schauspieler Luis de Funes mit seiner unvergleichlichen Kommunikationsfähigkeit denken:
„Nein!?“
„Doch!!“
„Ooooh!!!“
Dem kann ich nur uneingeschränkt zustimmen, denn mit Schaudern denke ich an die Zeit zurück, als mir selbst diese Holzstäbchen nicht zur Verfügung standen. Wie viel Zeit verbrachte ich unnützerweise damit, in meinem Restevorrat nach geeigneten Holzstückchen zu suchen, die ich einer sorgfältigen Nacharbeit mit dem Balsamesser oder der Laubsäge unterzog, bis sie meinen hohen Ansprüchen an das Umrühren von flüssigen Klebern gerecht wurden! Wie viele schöne neue Flugmodelle konnten nur deshalb nicht entstehen, weil mich das Schicksal erst sehr spät mit einem Fliegerkollegen zusammengebracht hat, der sich als wahrer Engel entpuppte? Er erzählte mir von der bekannten Schnellrestaurantkette mit dem großen gelben  Buchstaben. Dort lägen diese Holzstäbchen zum Umrühren quasi für Jedermann kostenlos griffbereit. Welch glückliche Wendung für mein Modellbauerleben ergab sich damit! Denn dank meiner Kinder war und bin ich hin und wieder genötigt, mich in diese Räumlichkeiten zu begeben, was ja sonst eigentlich niemand tut. Anfangs sehr von Skrupeln geplagt, die Stäbchen einzustecken, beruhigte ich mich sehr schnell mit der Begründung, dass ich durch das Mitnehmen den Abfallkreislauf doch deutlich verlangsamte.
Dennoch bohrte sich eine große Sorge immer tiefer in mein Gewissen, denn zwei Fragen drängten sich mir auf, die bislang unbeantwortet blieben:
1.    Was machen all die bedauernswerten Modellbauer, die bislang nichts von der Quelle wissen?
2.    Und selbst wenn sie es wissen, wie kommen sie an die begehrten Holzstäbchen, wenn sie wie jeder andere auch den Gang in das Schnellrestaurant scheuen wie der Teufel das Weihwasser?
Glücklicherweise ist mein Gewissen beruhigt, ich kann mein Leben nun wieder unbeschwert fortsetzen. Und gewiss zahlreiche Modellbauer auch. Diese grundlegenden Fragen sind mit dem entgeltlichen Vertrieb der Holzstäbchen jetzt geklärt. Niemand muss sich mehr in Gewissenskonflikte stürzen oder den bohrenden Fragen hingeben, warum er als ausgesprochener Gourmet in dieses Schnellrestaurant geht. Ok, diesen Vorteil erkauft man sich quasi mit dem anonymen Erwerb. Und das Beste kommt ja noch: Die Holzstäbchen werden nicht einzeln verkauft! Nein, auch nicht zwei oder drei als Kleinmenge! Ganze 10 (in Worten „zehn“) Holzstäbchen gibt es auf einmal! Jeder Marktschreier würde ob dieser Verkaufstaktik ins Schwärmen und Luis de Funes völlig aus dem Häuschen geraten (siehe oben!).
Stutzig macht mich nur, dass kein Preisvorschlag für diese Großmenge gemacht wird. Deshalb gibt es wahrscheinlich bald vier Arten von Modellbauern:
·         1) Die einen, die sich die Holzstäbchen leisten können
·         2) Diejenigen, die nach der alten Methode viel Zeit mit der Eigenherstellung verbringen
·         3) Die guten Väter, die ihre Kinder als Vorwand nutzen, um an die begehrten Stäbchen heranzukommen
·         4) Schließlich die Gruppe derjenigen, die bis zur Unkenntlichkeit vermummt im Schnellrestaurant auf Beutejagd gehen.

Kommentare:

  1. Ich liebe das cholerische HB-Männchen Louis de Funes auch! Mir sind allerdings die Holzstäbchen beim großen Doppelbogen etwas zu klein, deshalb nehme ich "Sag-A-Stäbchen" vom lieben Onkel Doktor. Heißen auch Holzspatel und kosten keine 2 ct das Stück - kann man dann auch mehrmals benutzen und eignen sich auch zum Auftragen aufs Werkstück - mein Gewissen ist rein :-)
    P.S.: Zusätzlich Einmalhandschuhe und es klebt auch nicht mehr die Hand und Anrühren in Plastikbechern vom letzten Kohlgang natürlich :-)

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  2. Hallo Thorsten,

    danke für die Tipps! Das dürfte eine Erleichterung für viele Modellbauer sein, um sie vor einem schlechten Gewissen zu schützen.

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