Sonntag, 12. Mai 2013

Höchststrafe oder Murphy kennt keine Gnade


Karikatur von Klaus Heilmann, www.kunstmalstudio.de


Es gibt Tage, an denen man sich die Frage stellt, warum man sich so einen Sch… überhaupt antut? So geschah es meinen Fliegerkollegen Stefan und mir an einem kalten Wintertag. Gemeinsam trafen wir uns auf dem Flugplatz, er brachte seinen Charter von Robbe mit, den wir nach der letzten etwas spitz ausgefallenen Landung wieder repariert hatten, und einen kleinen Geländeflitzer, beide mit Verbrennungsmotoren. Gleichermaßen motorisiert packte ich meine Stinson Reliant aus, sicherheitshalber kam noch mein elektrifizierter Miniflieger „Baby“ mit. Wenn nichts mehr ging, so sorgte er letztlich doch noch für ein entspanntes Fliegen, der Flugtag blieb so immer noch in angenehmer Erinnerung. Alle Akkus in bestem Ladezustand, die Lipos vorgewärmt, kein Zubehör vergessen, für alles war gesorgt, was sollte also schiefgehen?
Nun, es fing damit an, dass wir bei der Reparatur der Charter den Flächendübel übersehen hatten, der fand sich nämlich überraschenderweise in der Startkiste wieder.
„Kein Problem“, meinte ich, „dann fliegst du halt auch meine Stinson.“
Gesagt, getan, nach einer Viertelstunde war die Maschine aufgerüstet und vollgetankt und unsere Finger erstmals deutlich abgekühlt.
Entgegen dem sonst guten Anspringverhalten meines betagten 20 ccm Viertakters weigerte er sich standhaft, mehr als eine Zündung zu vollbringen. Nach dem Wechsel der Glühkerze und des Sprits stellten wir unsere Anwerfversuche gut eine halbe Stunde später erfolglos wieder ein, nun mit eiskalten Fingern und vor Wut hochroten Köpfen, an denen der auffrischende Wind beleidigt vorbeizog.
OK, einen habe ich noch, dachte ich mir und schob den Flugakku in mein Baby. Rudercheck wie üblich vor dem Start, aber was war das? Irgendwie zeigte das Höhenruder kaum einen Ausschlag. Sollte das Servo womöglich eingefroren sein? Schließlich hatte das Baby während unserer gesamten Bemühungen auf dem durchfrorenen Boden gelegen. Also Kabine abschrauben und nachschauen. Ich traute meinen Augen kaum: die Balsaleiste, die dem Bowdenzug direkt hinter dem Servo die Richtung weisen sollte, war abgebrochen.
„Wie kann denn so was passieren?“, fragte mich Stefan.
„Keine Ahnung, aber mit einem Tropfen Sekundenkleber ist das Problem sofort behoben.“
Schade, den hatte ich gerade Zuhause liegen gelassen. Aber da waren ja noch drei Fliegerkollegen auf dem Platz. Dummerweise war keiner von den Dreien zum Fliegen gekommen sondern nur um zu schauen, wer bei diesem frostigen Wetter mutig genug war, sich an das Fliegen zu wagen. Ich liebte es!!!
Als es Stefan dann nicht einmal gelang, den Motor von seinem Geländewagen zum Laufen zu bringen, packten wir durchfroren und missmutig unser gesamtes Geraffel wieder ein. Schlimmer konnte es gar nicht kommen, das war die maximal mögliche Höchststrafe. Murphy hatte einmal mehr recht behalten: Was schief laufen kann, läuft schief! Oder: Je genauer man plant, umso härter wird man von der Realität getroffen.

Für den einzigen Lichtblick nach dem Einpacken hatte meine Frau gesorgt: Mit einem heißen Glühwein aus einer Thermoskanne wärmten wir uns zumindest die Finger wieder an. Und in der Gewissheit, zumindest kein Material beschädigt zu haben, verabschiedeten wir uns in der Hoffnung, beim nächsten Mal mehr Glück zu haben

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