Freitag, 15. Februar 2013

Mein Sender spricht mit mir!

Karikatur von Klaus Heilmann, www.kunstmalstudio.de
Wenn ich mir die heutigen Sender für die Fliegerei im Vergleich zu den ersten Proportionalanlagen so anschaue, stelle ich fest, dass das Grundprinzip noch immer das gleiche ist: zwei Steuerknüppel mit jeweils einem seitlich und einem unterhalb angebrachten Trimmhebel. So gesehen hat sich nix geändert. Nun ist aber ein ganz wichtiges Prinzip in einer freien Marktwirtschaft wie unserer, dass beim Kunden ständig neue Bedürfnisse geweckt werden müssen, um den Umsatz möglichst weiter zu steigern. Also muss der rasant sich entwickelnde technische Fortschritt ebenfalls bei uns Modellfliegern Einzug halten. Wenn ich dann so sehe, was Modellpilot heutzutage zum Fliegen seiner Modelle so braucht, stelle ich mir die Frage, wie überhaupt die Fliegerei früher eigentlich funktionieren konnte?
Bislang dachte ich immer, ein guter Pilot entwickelt ein Gefühl für sein Modell, um damit nicht nur sicher umgehen sondern bei Bedarf auch Zuschauer in seinen Bann ziehen zu können und vor allem Spaß damit zu haben!
Mit dieser Einstellung bin ich wahrscheinlich bereits von der Zeit überholt worden, denn wessen Sender heutzutage nicht schon mit einer Einstellmöglichkeit seines „Displays“ ausgestattet ist, sodass man selbst bei der Helligkeit einer in unmittelbarer Nähe explodierenden Atombombe noch sicher alles erkennen kann, wird schon fast als „Unberührbarer“ von den technisch hochgerüsteten Fliegerkollegen gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Und ohne Telemetriefunktionen geht sowieso nichts mehr. Nur wer Telemetriefunktionen einsetzt, ist sozusagen angesagt. Mein Gott, wo kämen wir denn dahin, wenn wir nicht sicher wüssten, wie hoch und wie schnell unser Modell gerade fliegt? Für diejenigen unter uns, die gerne mal vergessen, vor dem Fliegen ihre Akkus zu laden, wird selbst deren Spannung mitgeteilt und überwacht. Angesichts der rasant gestiegenen Leistungsfähigkeit heutiger Akkus hat sich deren Ausfall zu einem nicht zu unterschätzenden dramatischen Risiko entwickelt!
Doch damit nicht genug. Da sah ich doch letztens die Werbung eines bekannten Herstellers, der für den letzten Schrei im technischen Fortschritt wirbt:
„Ich spreche mit dir!“, will meinen, dass ähnlich einem Navigationssystem der Sender ein zusätzliches Sprachmodul enthält, das den Piloten u. a. über Höhe, Geschwindigkeit, Entfernung seines Modells informiert.
Ich war sofort begeistert und überzeugt, eine solche Funktion werde ich mir ganz bestimmt nie anschaffen.
Sicherlich, Kommunikation ist wichtig, um wichtige Informationen an die richtigen Stellen zu bekommen, Missverständnisse und Fehler zu vermeiden. Und ganz gewiss mag es für einen Spitzenwettbewerbspiloten wichtig sein, unter Umständen über solche Informationen zu verfügen. Nur steht der dann im Flug entweder allein oder mit einem Helfer auf dem Platz. Optimale Bedingungen also für eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Sender und Piloten.
Ganz anders jedoch sieht es aus, wenn viele Stimmen bunt durcheinander sprechen, weil jeder ohne Rücksicht einfach nur seine Information loswerden möchte. Das ist der beste Nährboden für Missverständnisse und falsch geleitete Informationen. Und damit kommen wir der gelebten Praxis bereits deutlich näher, denn der Flugalltag bietet genau solch ein Bild: Allein schon aus Sicherheitsgründen stehen je nach Größe des Vereins mehr oder weniger Piloten auf einem kleinen Areal nebeneinander. Ich stelle mir gerade das Stimmengewirr vor, wenn sagen wir mal nur eine Handvoll Sender dicht bei einander laut vor sich hinplappernd wichtige Informationen in den Äther stellen. Na, wenn das mal nicht für einen enormen Anstieg des Nervenkitzels sorgt!

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