Montag, 5. Januar 2015

Mal eben schnell...


Karikatur von Klaus Heilmann, www.kunstmalstudio.de

Man sollte nie versuchen, das Schicksal zu überlisten. Das zieht meist unangenehme Konsequenzen nach sich. So erging es mir, als ich „mal eben schnell“ zwei Servos wechseln wollte.
Das Glück hatte sich diesmal von seiner wohlwollenden Seite gezeigt: Ein Querruderservo an meinem Segler war vor dem Start in Endstellung gelaufen. Am nächsten Tag ergab sich eine Gelegenheit zum Austausch. Statt eines Servos nahm ich mir vor, sicherheitshalber gleich beide zu wechseln. Die alten Servos abkneifen, die neuen Anlöten, nichts Besonderes, länger als eine halbe Stunde sollte das nicht dauern dürfen. Gesagt getan. Nach dem Abkneifen legte ich einen Flügel beiseite, lötete das Servo am anderen an, Funktionstest: Erste Sahne, alles OK! Ich griff wieder zum ersten Flügel und wunderte mich, wo die Kabel geblieben waren. Beim Weglegen war mir gar nicht aufgefallen, dass sich der Stecker verhakt und damit das Kabel herausgezogen hatte. Mithilfe einer Leiste brachte ich die Leitungen mühsam wieder an ihren Bestimmungsort. Der Funktionstest des zweiten angelöteten Servos verlief jedenfalls genauso erfolgreich wie beim ersten. Nun die Servos an die Abdeckplatte geklebt. Doch was war das: obwohl sie der gleichen Leistungsgröße entstammten wie ihre Vorgänger, passten weder die Aussparungen in der Abdeckplatte noch im Flügel, Nacharbeiten war also angesagt. Schließlich konnten die Servos ungehindert arbeiten und ließen sich in den Schacht einpassen.
Es ist eine merkwürdige Angewohnheit kleiner Bauteile, dass schon nach kurzer Zeit genau eines plötzlich wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. Diese Erfahrung musste ich nun wieder einmal machen, als ich die Deckel anschrauben wollte. Von den acht Schrauben fand ich selbstverständlich nur sieben. Es wäre ein Leichtes gewesen, die hinterhältige Schraube zu ersetzen, aber man hat ja seinen Stolz. Also suchte ich zunächst den Boden in meiner unmittelbaren Nähe ab, erfolglos. Als Nächstes räumte ich den Tisch auf. Und tatsächlich, das kleine Teufelchen war unter die Kneifzange gerollt. Ich nutzte die Gelegenheit, um alles unnötige Werkzeug vom Tisch wegzuräumen. Inzwischen war bereits deutlich mehr als eine halbe Stunde ins Land gegangen, meine Laune sank.
Doch die nächste Überraschung wartete bereits:  auch ein Anlenkungsdraht erwies sich plötzlich als deutlich zu kurz. Ein Blick auf das Gewinde und die Gabelköpfe führte mir schmerzhaft vor Augen, dass ich nicht in der Lage war, den Draht einfach gegen einen längeren auszutauschen, das Gewinde aus fernöstlicher Produktion konnte ich nicht nachschneiden. Also fertigte ich eine gänzlich neue Anlenkung mit einem Gabelkopf aus Metall. In mir begann es zu brodeln. Natürlich war diese Anlenkung etwas schwerer als die originale auf der anderen Seite. Bei einem Hebelarm von etwas mehr als einem Meter macht sich so ein kleiner Masseunterschied bei einem so leichten Flugmodell bereits bemerkbar.
„Kommst Du essen?“, ertönte unerwartet die Stimme meiner Frau.
„Bin gleich da“, gab ich etwas unwirsch zurück. Ein großer Fehler, denn so etwas lässt keine Frau auf sich sitzen.
„Wenn dich der Sch… so ärgert, warum machst du ihn dann?“, musste ich mir beim Essen anhören.
„Wenn dir das Essen anbrennt, gibst du das Kochen ja auch nicht gleich auf!“, konterte ich und hätte mir im nächsten Moment am liebsten auf die Zunge gebissen. Es gibt Situationen, in denen man als Mann gegenüber seiner Frau besser nicht auf sein Recht pocht, in entsprechend eisigem Klima nahmen wir das Essen weiter ein. Oh je, das wird mich einen ordentlichen Blumenstrauß kosten, dachte ich, und das alles nur, weil ich mal eben schnell zwei Servos austauschen wollte. Das Schicksal lässt sich einfach nicht überlisten, stattdessen schlägt es erbarmungslos zurück.

Samstag, 6. Dezember 2014

Mal ein ganz anderes Thema


Karikatur von Klaus Heilmann, www.kunstmalstudio.de

Heute soll es mal um ein ganz anderes Thema gehen. Eines, über das man sich zwar trefflich aufregen, aber dennoch nicht streiten kann. Und um was mag es sich handeln, wenn mehrere Menschen beieinander sind und nicht wissen, worüber sie sich unterhalten sollen? Richtig, das Wetter! Diese Thematik ist völlig unverfänglich, denn Keiner kann den Anderen dafür verantwortlich machen und Einfluss können wir ohnehin nicht darauf nehmen. Da mir keine bessere Idee kam, dachte ich, es mal genauso zu probieren.
Normalerweise gilt ja der Norden Deutschlands eher als benachteiligt, was Sonnenschein und warme Temperaturen angeht. Regnerisches und trübes Wetter werden uns häufiger nachgesagt, während die Sonne den Süden verwöhnt. In diesem Jahr war es aber wohl eher umgekehrt. Der Oktober zeigte sich mehr als golden und selbst der November schien vergessen zu haben, dass es eigentlich kälter werden sollte. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, jemals in der Mitte dieses Monats nochmals den Rasen gemäht haben zu müssen.
Aber es hatte auch sein Gutes: Eine so lange Flugsaison unter besten Bedingungen kommt mir bislang einmalig vor. Der Wetterbericht brauchte nicht zweifelnd beäugt werden, ob es denn überhaupt noch Sinn machte, die Akkus zu laden. Und wenn dann quasi als Irrläufer doch mal etwas mehr Wind aufkam oder sich Regen zeigte, was soll´s?
Doch je länger die Flugsaison dauerte, umso häufiger drängte sich ein Gedanke in mein Bewusstsein: Irgendetwas fehlt aber! Da war doch noch was! Nur was konnte das sein?
Ich zermarterte mir mein Hirn. Das Fliegen lief doch wie geschmiert, also was raubte mir die Ausgeglichenheit? Ich bemühte mich vergeblich, ich fand einfach keine Antwort. Waren das etwa schon die Vorboten altersbedingter Vergesslichkeit? Doch das Glück war mit mir! Es kam der Morgen des 21. November. Der Tag, an dem mein seelisches Gleichgewicht wieder ins Lot kommen sollte.
Wie gewohnt blickte ich mit müden Augen aus dem Fenster in den Garten, der durch das erste Licht erhellt wurde. Und war im nächsten Moment hellwach! Was war das? Hatten die letzten warmen Tage zu einem explosionsartigen Ausblühen der Gänseblümchen geführt? Hatte ein vorbeifahrender Laster mit Mehl seine Ladung verloren? Sofort bemühte ich Tante Google, die ja bekanntlich alles weiß. Und tatsächlich, sie konnte mir eine Antwort geben: Es handelte sich wohl um Raureif, eine Erscheinung, die immer dann auftritt, wenn die Temperaturen unter 0 Grad sinken und Wasser gefriert! Ich hatte von solchen Ereignissen bereits gehört, konnte mich aber an des letzte dieser Art nicht mehr erinnern.
Und dann fiel es mir plötzlich wie Balsastaub aus den Haaren: Ich lief zu meinem Hobbyraum. Die lange Nichtnutzung hatten zahlreiche Spinnen genutzt, neues Terrain für sich zu besiedeln. Mühsam kämpfte ich mich durch die Spinnweben. Unter Staub kaum noch erkennbar, erkannte ich die Anfänge der Projekte, die mit dem Beginn der Flugsaison zum Stillstand gekommen waren: Zwei Rümpfe im Rohbau, ein Korb prall gefüllt mit gefrästen Sperrholzrippen. Ach ja, und dort lag noch immer das Holz auf Vorrat, das ich für den weiteren Bau vorgesehen hatte. Die geplanten Antriebe, Regler und sonstiges Zubehör fanden sich genauso unberührt wieder. Alles schien wie im Dornröschenschlaf nur auf die Erweckung zu warten. Nun wusste ich, was mir fehlte und worauf ich solange gewartet hatte, eine Träne des Glücks rann mir die Wange hinunter: Die Bausaison konnte wieder beginnen!

In diesem Sinne wünsche ich allen Gleichgesinnten eine erfolgreiche Bausaison. Und Denjenigen, die nun mehr oder weniger auf das Fliegen ohne den Ersatz durch den Baugenuss verzichten müssen, sei gesagt: Der nächste Frühling kommt bestimmt!